Ein umgeknickter Fuß, eine tiefe Schnittwunde oder ein Sturz können draußen schnell zur ernsten Herausforderung werden. Während der Rettungsdienst in der Stadt häufig innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit erreichbar ist, kann professionelle Hilfe im Wald, in den Bergen oder in abgelegenen Regionen deutlich länger brauchen. Schwieriges Gelände, fehlender Mobilfunkempfang, Dunkelheit und schlechtes Wetter erschweren eine Rettung zusätzlich. Outdoor-Erste-Hilfe beginnt deshalb nicht erst mit dem Öffnen des Verbandpäckchens. Sie umfasst das Einschätzen der Lage, den Schutz vor weiteren Gefahren, einen möglichst präzisen Notruf und die Betreuung der betroffenen Person bis zum Eintreffen der Rettungskräfte.

Dieser Beitrag vermittelt wichtige Grundlagen. Er ersetzt jedoch keinen praktischen Erste-Hilfe- oder Outdoor-Erste-Hilfe-Kurs.

Warum Erste Hilfe draußen anders ist
Die grundlegenden Maßnahmen unterscheiden sich nicht von der Ersten Hilfe im Alltag: Bewusstsein und Atmung kontrollieren, lebensbedrohliche Blutungen stoppen, den Notruf absetzen und die betroffene Person betreuen.

Draußen kommen jedoch weitere Faktoren hinzu:
Der genaue Standort ist möglicherweise unbekannt.
Das Mobiltelefon hat keinen Empfang.
Der Rettungsdienst kann die Unfallstelle nicht direkt anfahren.
Kälte, Hitze, Regen oder Wind verschlechtern den Zustand.
Das vorhandene Material ist begrenzt.
Die Gruppe muss möglicherweise viele Stunden durchhalten.
Ein Hubschraubereinsatz kann durch Wetter, Gelände oder Dunkelheit erschwert werden.

Wer Outdoor-Erste-Hilfe leistet, muss daher nicht nur eine Verletzung versorgen, sondern häufig auch die gesamte Situation organisieren.

Der erste Schritt: Ruhe bewahren und Gefahren erkennen
Nach einem Unfall entsteht schnell Unruhe. Trotzdem sollte niemand unüberlegt zur verletzten Person laufen. Verschaffe dir zunächst einen Überblick:

Ist die Unfallstelle sicher?
Besteht Steinschlag-, Absturz- oder Lawinengefahr?
Gibt es Verkehr, Feuer, Gewitter oder herabfallende Äste?
Befindet sich die Person in einem Bach, an einem Abhang oder unter instabilem Material?
Kannst du helfen, ohne selbst in Gefahr zu geraten?

Eigenschutz hat Vorrang. Ein zweiter Verletzter verschärft die Lage und bindet weitere Ressourcen. Verwende bei der Versorgung von Wunden nach Möglichkeit Einmalhandschuhe. Besteht eine unmittelbare Gefahr, muss die Person eventuell aus dem Gefahrenbereich gebracht werden. Ohne akute Bedrohung sollte sie nach einem schweren Sturz jedoch möglichst wenig bewegt werden.

In einer Gruppe werden die Aufgaben klar verteilt: Eine Person übernimmt die Erste Hilfe, eine setzt den Notruf ab, eine andere holt Ausrüstung oder weist die Rettungskräfte ein.

Lebensbedrohliche Probleme zuerst erkennen
Eine kleine Schürfwunde sieht möglicherweise dramatisch aus, ist aber nicht unbedingt das dringendste Problem. Atemstillstand, Bewusstlosigkeit oder eine starke Blutung haben immer Vorrang.

Gehe strukturiert vor:
1. Bewusstsein prüfen
Sprich die Person laut und deutlich an. Reagiert sie nicht, berühre beziehungsweise rüttle sie vorsichtig an den Schultern.

2. Atmung kontrollieren
Öffne die Atemwege und kontrolliere höchstens zehn Sekunden, ob eine normale Atmung vorhanden ist. Schnappatmung ist keine normale Atmung.
Atmet eine bewusstlose Person normal, wird sie in die stabile Seitenlage gebracht. Anschließend muss die Atmung regelmäßig kontrolliert werden. Die Person wird vor Witterung und Auskühlung geschützt.

3. Wiederbelebung beginnen
Ist keine normale Atmung vorhanden, muss sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen werden: 30 Herzdruckmassagen und zwei Atemspenden im Wechsel. Wer keine Atemspende durchführen kann oder möchte, führt ohne Unterbrechung die Herzdruckmassage aus. Ist ein automatisierter externer Defibrillator erreichbar, wird er eingesetzt und seinen Sprachanweisungen gefolgt. Das DRK beschreibt den Ablauf der Herz-Lungen-Wiederbelebung ausführlich.

Gerade an einem abgelegenen Ort kann die Wiederbelebung lange dauern. Deshalb sollten sich mehrere geeignete Personen bei der Herzdruckmassage abwechseln, ohne unnötige Unterbrechungen zu verursachen.

Starke Blutungen schnell stoppen
Eine starke Blutung kann innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohlich werden. Sie muss deshalb sofort gestoppt werden.

Ziehe möglichst Handschuhe an und drücke eine sterile Kompresse oder ein Verbandpäckchen direkt auf die Wunde. Halte den Druck konsequent aufrecht. Ist Material durchblutet, entferne es nicht ständig, sondern lege weiteres Verbandmaterial darüber. Anschließend kann ein Druckverband angelegt werden.

Ist die Blutung trotz konsequentem direkten Druck nicht kontrollierbar, wird der Notruf unverzüglich über die Situation informiert. Ein Tourniquet kann bei einer lebensbedrohlichen Blutung an einer Extremität eine wichtige Maßnahme sein, sollte aber mit geeignetem Material und möglichst nach praktischer Einweisung verwendet werden. Notiere nach dem Anlegen die Uhrzeit und löse es nicht eigenmächtig wieder.

Blutende Personen können einen Schock entwickeln. Typische Anzeichen sind Blässe, kalter Schweiß, Unruhe, Zittern, Schwäche oder ein schneller Puls. Betroffene werden beruhigt, warm gehalten und fortlaufend beobachtet. Das DRK empfiehlt bei starken Blutungen unter anderem direkten Druck, Druckverband und die frühzeitige Alarmierung des Rettungsdienstes. Weitere Hinweise gibt es in der DRK-Übersicht zu starken Blutungen.

Den Notruf richtig absetzen
In Deutschland und großen Teilen Europas gilt die Notrufnummer 112. Warte nicht unnötig lange ab, wenn eine schwere Verletzung, Bewusstseinsstörung, Atemnot, starke Blutung, ein möglicher Herzinfarkt, Schlaganfall, Hitzschlag oder eine schwere Unterkühlung vorliegt.

Für die Leitstelle ist besonders wichtig:
Wo befindet sich die Unfallstelle?
Was ist passiert?
Wie viele Personen sind betroffen?
Welche Verletzungen oder Beschwerden liegen vor?
Welche Gefahren bestehen vor Ort?
Wer meldet den Notfall und unter welcher Nummer ist die Person erreichbar?
Beende das Gespräch nicht selbst, sondern warte auf Rückfragen und Anweisungen der Leitstelle.

In der Natur ist die Standortangabe oft die größte Schwierigkeit. Hilfreich sind:
GPS-Koordinaten des Smartphones oder Navigationsgeräts
Name des Wanderweges
Nummer eines Rettungspunktes
Wegkreuzungen und Wegweiser
markante Geländepunkte
Höhenangabe
zuletzt passierte Hütte oder Ortschaft
Fluss-, See- oder Forstwegbezeichnung

Lasse das Telefon nach dem Notruf eingeschaltet und spare Akkuleistung. Nutze es nicht für unnötige Gespräche, damit die Leitstelle zurückrufen kann.

Was tun, wenn kein Mobilfunkempfang vorhanden ist?
DKein Empfang bedeutet nicht automatisch, dass überhaupt kein Notruf möglich ist. Versuche zunächst die 112, da das Gerät für einen Notruf gegebenenfalls ein verfügbares fremdes Mobilfunknetz nutzen kann. Dazu muss jedoch überhaupt ein erreichbares Netz vorhanden sein.

Scheitert der Notruf, kann eine Person an einen höher gelegenen oder offeneren Standort gehen. In Schluchten, tiefen Tälern und dichtem Gelände ist die Verbindung häufig schlechter. Die verletzte Person darf dabei nicht unnötig allein gelassen werden.

Muss jemand Hilfe holen, werden vor dem Aufbruch alle wichtigen Informationen notiert:
genauer oder bestmöglich beschriebener Standort
Art der Verletzung
Zustand der betroffenen Person
Anzahl der Beteiligten
vorhandene Ausrüstung
geplante Route des Hilfeholenden

Die Entscheidung, die Gruppe zu trennen, ist ernst: Eine einzelne Person kann sich verirren oder selbst verunglücken. Nach Möglichkeit gehen zwei geeignete Personen gemeinsam, während mindestens eine Person bei dem Verletzten bleibt. Auf sehr abgelegenen Touren können Satelliten-Messenger oder persönliche Notrufsender die Sicherheitsplanung sinnvoll ergänzen. Sie ersetzen aber weder Navigation noch Erste-Hilfe-Kenntnisse.

Unterkühlung: Eine oft unterschätzte Gefahr
Unterkühlung entsteht nicht ausschließlich im Winter. Auch Regen, Wind, nasse Kleidung, Erschöpfung und langes unbewegliches Warten können bei scheinbar milden Temperaturen problematisch werden. Verletzte Menschen kühlen besonders schnell aus.

Schütze die Person deshalb frühzeitig:
Isoliere sie vom kalten oder nassen Boden.
Bringe sie, soweit gefahrlos möglich, in einen windgeschützten Bereich.
Entferne nasse Kleidung vorsichtig und ersetze sie durch trockene.
Nutze Rettungsdecke, Biwaksack, Schlafsack oder zusätzliche Kleidung.
Bedecke auch den Kopf.
Vermeide unnötige Bewegungen bei schwerer Unterkühlung.
Gib keinen Alkohol.

Eine ansprechbare, nur leicht unterkühlte Person kann warme, gezuckerte Getränke erhalten. Bewusstlosen oder deutlich benommenen Menschen darf nichts eingeflößt werden. Bei fortgeschrittener Unterkühlung muss besonders vorsichtig gehandelt und sofort professionelle Hilfe alarmiert werden. Die Empfehlungen des DRK zu Unterkühlungen und Erfrierungen betonen ebenfalls den Schutz vor erneuter Kälteeinwirkung und die fortlaufende Beobachtung.

Hitzeerschöpfung und Hitzschlag
Bei sommerlichen Touren stellt nicht die Kälte, sondern die Überhitzung die größte Gefahr dar. Warnzeichen einer Hitzeerschöpfung können starkes Schwitzen, Schwäche, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Kreislaufprobleme sein.

Beende die Belastung sofort und bringe die betroffene Person in den Schatten. Enge oder unnötige Kleidung wird gelockert. Ist sie vollständig wach und kann sicher schlucken, erhält sie in angemessenen Mengen Flüssigkeit. Kühlung durch feuchte Tücher und Luftbewegung kann helfen.

Verwirrtheit, Koordinationsprobleme, Krampfanfälle oder Bewusstseinsstörungen sprechen für einen möglichen Hitzschlag. Das ist ein lebensbedrohlicher Notfall: sofort 112 wählen, die Person aus der Hitze bringen und mit verfügbaren Mitteln kühlen. Bei getrübtem Bewusstsein darf nichts zu trinken gegeben werden. Das DRK nennt beim Hitzschlag unter anderem eine erhöhte Körpertemperatur, schnelle Atmung, beschleunigten Puls und Bewusstseinsstörungen als Warnzeichen.

Verletzungen an Knochen und Gelenken
Nach einem Sturz oder Umknicken lässt sich im Gelände häufig nicht sicher unterscheiden, ob es sich um eine Prellung, Verstauchung oder einen Bruch handelt. Behandle eine möglicherweise schwere Verletzung vorsichtig.

Die betroffene Körperregion sollte möglichst ruhig gehalten und in der vorgefundenen, für die Person erträglichen Position stabilisiert werden. Improvisierte Polster aus Kleidung oder eine vorsichtige Schienung können Bewegungen reduzieren. Fehlstellungen werden nicht selbst eingerichtet.

Prüfe wiederholt, ob Finger oder Zehen warm und normal gefärbt sind und ob Gefühl und Beweglichkeit vorhanden bleiben. Ein Verband oder eine Schiene darf die Durchblutung nicht abschnüren.

Nach Stürzen aus größerer Höhe, Aufprall auf Kopf oder Rücken, Bewusstlosigkeit, Erinnerungslücken, Erbrechen, Lähmungserscheinungen oder starken Schmerzen ist eine professionelle Rettung notwendig. Ein eigenständiger Abtransport kann zusätzliche Schäden verursachen.

Kleine Wunden richtig versorgen
Nicht jede Verletzung verlangt einen Rettungseinsatz. Kleine Schnitt- und Schürfwunden sollten dennoch sorgfältig versorgt werden:
Hände reinigen oder Handschuhe anziehen.
Grobe oberflächliche Verschmutzungen vorsichtig entfernen beziehungsweise die Wunde mit sauberem Wasser spülen.
Die Wunde steril abdecken.
Auf zunehmende Rötung, Schwellung, Wärme, Schmerzen oder austretendes Sekret achten.
Tiefe, klaffende, stark verschmutzte oder durch Tierbisse entstandene Wunden sollten medizinisch beurteilt werden. Das gilt ebenfalls bei Fremdkörpern, anhaltender Blutung oder unklarem Tetanusschutz. Tief sitzende Gegenstände werden nicht im Gelände herausgezogen, da sie möglicherweise eine Blutung begrenzen.

Improvisieren – aber nicht experimentieren
Outdoor-Erste-Hilfe verlangt Kreativität, darf aber nicht zu riskanten Experimenten führen. Eine Jacke kann polstern, ein Rucksack vor Bodenkälte schützen und ein Dreieckstuch einen verletzten Arm stabilisieren. Unbekannte Pflanzen, selbst gemischte „Heilmittel“ oder Medikamente anderer Personen gehören dagegen nicht in eine Wunde oder in den Körper des Verletzten.
Improvisation bedeutet, bekannte Erste-Hilfe-Grundsätze mit vorhandenem Material umzusetzen – nicht, ungesicherte Behandlungsmethoden auszuprobieren.

Was gehört in ein Outdoor-Erste-Hilfe-Set?
NDer Inhalt sollte zur Tour, Gruppengröße, Jahreszeit und Entfernung zur nächsten Hilfe passen. Eine sinnvolle Grundausstattung umfasst:

Einmalhandschuhe
sterile Kompressen
Verbandpäckchen
elastische Binden
Pflaster und Blasenpflaster
Dreieckstuch
Fixier- oder Gewebeband
Verbandsschere
Rettungsdecken
Wundspüllösung oder ausreichend sauberes Wasser
persönliche Medikamente
Zeckenkarte oder Zeckenzange
Notfallinformationen und wichtige Telefonnummern

Bei anspruchsvollen oder abgelegenen Touren können zusätzlich Biwaksack, Tourniquet, weitere Verbandmittel und ein Kommunikationsgerät sinnvoll sein. Entscheidend ist jedoch nicht nur, was im Rucksack liegt. Du musst wissen, wo es sich befindet und wie es verwendet wird. Ein Erste-Hilfe-Set, das unter der gesamten Ausrüstung vergraben ist, hilft im Ernstfall wenig.

Vorbereitung ist die wichtigste Erste-Hilfe-Maßnahme
Viele Outdoor-Notfälle lassen sich nicht vollständig verhindern. Ihre Folgen können durch gute Planung jedoch deutlich reduziert werden.

Informiere vor dem Start eine zuverlässige Person über Route, Teilnehmer, Ziel und geplante Rückkehrzeit. Vereinbart, wann sie Hilfe alarmieren soll, wenn die Gruppe sich nicht zurückmeldet. Lade das Smartphone vollständig auf, speichere Karten offline und schütze elektronische Geräte vor Wasser und Kälte.

Prüfe außerdem:
Wetter und mögliche Wetterumschwünge
Fähigkeiten und Gesundheitszustand aller Teilnehmer
Wasser- und Nahrungsreserven
alternative Routen und Abbruchmöglichkeiten
Tageslicht und realistische Gehzeiten
Mobilfunkabdeckung und Rettungspunkte
Vollständigkeit des Erste-Hilfe-Sets
Wissen schafft Handlungssicherheit

Outdoor-Erste-Hilfe bedeutet nicht, jede Verletzung selbst behandeln oder eine medizinische Diagnose stellen zu können. Es geht darum, Gefahren zu erkennen, lebensrettende Maßnahmen einzuleiten, professionelle Hilfe zu alarmieren und den Zustand der betroffenen Person möglichst stabil zu halten.

Die wichtigsten Grundsätze lauten:
Eigenschutz – Überblick – lebensbedrohliche Probleme behandeln – Notruf – Wärmeerhalt – Beobachtung und Betreuung.

Je weiter professionelle Hilfe entfernt ist, desto wichtiger werden Vorbereitung, klare Entscheidungen und praktische Übung. Ein regelmäßig aufgefrischter Erste-Hilfe-Kurs bildet die Grundlage. Ein spezielles Outdoor-Erste-Hilfe-Training ergänzt diese Kenntnisse um realistische Szenarien, Improvisation, Notrufmanagement und Versorgung unter schwierigen Bedingungen.

Denn im Ernstfall entscheidet nicht die teuerste Ausrüstung, sondern die Fähigkeit, ruhig zu bleiben und das Richtige zu tun.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt weder einen praktischen Erste-Hilfe-Kurs noch eine medizinische Beratung. Bei schweren oder unklaren Verletzungen und akuten Erkrankungen ist die Notrufnummer 112 zu wählen.